Aka Morchiladze liest aus "Die Reise nach Karabach"

Vom Roadtrip zum Krieg. Ein georgisches Gesellschaftsporträt mit biografischen Zügen

Während der anschließenden Signierstunde im Rompel Baumarkt können die Besucher dem Schriftsteller Aka Morchiladze (rechts) Fragen stellen oder Gespräche führen. (WP-Foto: Carolin Battenfeld)

Bad Berleburg. Außergewöhnliche Orte für die verschiedenen Lesungen des Berleburger Literaturpflasters tragen dazu bei, die Besonderheit der Veranstaltung zu unterstützen. Auch der georgische Autor Aka Morchiladze hat noch nie eine Lesung in einem Baumarkt gehalten – eine Premiere also für ihn, sein Buch "Die Reise nach Karabach" am Sonntagabend im Rompel Fachhandel zu präsentieren.

Die Erzählung

Sein Buch "Die Reise nach Karabach" erzählt eine aufregende Geschichte, die als ein harmloser Roadtrip beginnt und in den Irrungen des vom Bürgerkrieg zerstörten Land ihren Höhepunkt findet. Start der Erzählung ist die Hauptstadt Tiflis im Jahr 1992, wo Protagonist Gio und seine Freunde leben. Gio lässt sich von seinem Freund Goglik dazu überreden nach Aserbaidschan zu fahren – das Ziel der beiden ist dabei der Ein- und gewinnbringende Weiterverkauf von Drogen. Doch Gio trauert insgeheim um seine große Liebe Jana, die von seinen Eltern nicht akzeptiert wurde und die die Beziehung der jungen Menschen mit allen Mitteln unterbinden will.

"Die Geschichte erstellt ein grobes Gesellschaftsportrait und auch biografische Züge werden eingearbeitet", erklärt Morchiladze. "Die Geschichte der jungen Menschen steht im Hintergrund, der Krieg ist dabei nur der Rahmen – er soll die Geschichte nicht einnehmen."

Die Interpretation

Die Deutsche Stimme des Protagonisten wird von Christoph Haupt gestellt, der durch Gestik und Mimik einen Eindruck in die Gefühlswelt des Protagonisten vermittelt. Ob in den Momenten des Kennenlernens von Jana und Gio oder bei spektakulären Fluchten durch das zerrüttete Georgien: Die Darstellung Haupts entführt die Zuhörer für kurze Momente in die Gedankenwelt des Autors.

„Ich habe wahrscheinlich vor dem Sprechen angefangen zu schreiben.“
Aka Morchiladze, über seine Anfänge als Autor

Neben den eingebetteten biografischen Zügen erklärt Morchiladze seinen Werdegang zum Schriftsteller: „Ich habe wahrscheinlich vor dem Sprechen angefangen zu schreiben", lacht der 51-jährige. „Ich habe bewusst unter einem Pseudonym mein erstes Buch veröffentlicht und es war ein harter Schlag als mein damaliger Chef bei der Zeitung das Buch in einer Rezension völlig verriss." Trotzdem gab Morchiladze das Schreiben nicht auf: "Als mein Chef wusste zu wessen Buch er die Rezension schrieb, sagte er zu mir, dass er wüsste, dass aus mir trotzdem ein großer Literat werden würde".

Dass sein Buch "Die Reise nach Karabach" so erfolgreich wird, hat auch den Autor überrascht: "Jeder kannte den Titel, wenn auch manchmal nicht den Inhalt – und jetzt wo es in Deutschland erschienen ist, musste ich mich selbst erst wieder über einige Details in meinen Büchern informieren", lacht Morchiladze.

Von Carolin Battenfeld

Aka Morchiladze ist einer der erfolgreichsten Autoren in Georgien. (WP-Foto: Christiane Sandkuhl)

Einer der erfolgreichsten Autoren in Georgien

Aka Morchiladze ist einer der erfolgreichsten Autoren in Georgien. (WP-Foto: Carolin Battenfeld)

Aka Morchiladze stammt aus Tiflis, der Hauptstadt von Georgien, und studierte Geschichte an der Staatlichen Universität Tiflis.

Nachdem er mehrere Jahre für eine Tageszeitung arbeitete, veröffentlichte er 1992 sein erstes Buch "Die Reise nach Karabach".

In seiner Heimat Georgien zählt der Autor zu den erfolgreichsten Schriftstellern und in den Jahren 2003 und 2005 wurde ihm der höchste georgische Literaturpreis "Saba" verliehen.


WESTFALENPOST (25.09.2018)
Internet: www.wp.de/staedte/wittgenstein/
Bildquelle: WP-Fotos von Carolin Battenfeld (2) und Christiane Sandkuhl

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